Sommerjob

Ferien sind. Und der Ernst des Lebens ist gekommen, für die Rabentochter.

Sie arbeitet nämlich. In einem Freizeitpark ganz in der Nähe. In der Gastronomie, sozusagen.

Und so kommt sie also jeden Tag nach Hause und erzählt von Wespen, und Ziegen, und umgekippten Amarenakirschkübeln, von freundlichen oder motzigen Menschen, hat Wasserblasen an den Händen vom Wasserbombenknoten, und kippt abends ins Bett, bevor ich sie auch nur über ihren Tag befragen kann. Und wenn ich dann doch frage, berichtet sie von Touristengroßfamilien, die allen ihren kleinen Kindern riesengroße Eisportionen kaufen, die dann ungeschleckt in der Tonne landen, von übrig gebliebenen Snackresten in gewaltigen Mengen, von Typen, die ihren Frust an eiskaffeeverkaufenden Schülerinnen auslassen und davon, dass manche Leute eben anders denken als sie, als wir. Und dass das voll okay ist, und sie die Leute trotzdem irgendwie mag.

Good girl! Mehr brauch ich doch gar nicht zu wissen, mein Rabenkind. Irgendwie, bilde ich mir ein, wird dieser Sommer tiefere Spuren bei dir hinterlassen als riesengroße Eisportionen, teure Tagesausflüge oder Grillen an der Adria (von den Spuren auf deinem Bankkonto mal abgesehen!). Und heimlich, heimlich, kannst du ihn sogar wirklich genießen… Und zwar definitiv mehr, als wenn du jeden Tag, den ganzen Tag, tiefentspannt chillen und „Orange is the new black“ glotzen könntest. Wenn du mit der Familie zum Schnorcheln nach Ägypten fahren würdest, mit dem Kreisjugendring in froher Runde ans Ijsselmeer zum Segeln oder sonst zu irgendeinem munteren Rundum-Sorglos-Club für Jugendliche. Das passt zu dir und deinem Leben, glaube es mir. Das sieht man, wenn du dich morgens früh im roten Shirt auf den Weg machst, und abends groggy wieder nach Hause geschlappt kommst. Genau SO ist es gut und richtig, wahrscheinlich weißt du das selber auch schon! Und es gefällt mir, was du da alles erlebst und lernst, über Menschen und Dinge.

Ganz besonders freue ich mich aber schon darauf zu sehen, wie du dir mit deinem Feriengeld einen neuen Laptop leistest, eine Reise, oder sonst irgendwas Besonderes. Weil DAS wird dann auch wirklich besonders sein für dich…

Werbeanzeigen

Das Rabennest…

…immer dasselbe. Wenn man einmal anfängt, im Haus herumzukramen, entfremdet es sich immer weiter von einem. Und irgendwann stellt man sich dann vor, wie es andere sehen, dieses Kuddelmuddel aus altem Kram und neuen Nutzlosigkeiten, Dingen, die die Gebrauchsspuren unseres Familienlebens ins Gesicht geschrieben tragen, peinliche Entgleisungen und kindliche Geschmackslosigkeiten, die die Welt nicht braucht. Und dann diese Sachen (Sofas, Kissen, Decken), die zu gemütlich sind, um weggeschmissen zu werden, aber einfach nur wie ausgelatschte Sofas, Kissen, Decken aussehen. Bücher, uralt und vergilbt, mit Bleistiftnotizen drin, Wandteppiche von Reisen, die ich nicht vergessen möchte, Pflanzen, die nicht mehr blühen, aber trotz hartnäckiger Vernachlässigung weiterhin grüne Blätter tragen. Die Kritzelspuren der ersten Schreibversuche der Rabenkinder, genau wie dieser blöde blaue Farbklecks an der frischgestrichenen Wand, der da hin kam, weil du den Pinsel unbedingt schütteln musstest. Und der Abdruck der ganzen Hand des Rabensohns auf Überkopfhöhe am Treppenaufgang. Ahhh…

Heute sind wir also mal wieder dabei, das Rabennest ein bisschen in Ordnung zu bringen. Und wie immer konfrontiert mich dieser Versuch mit den traurigen Mitteln unseres Lebens. Und dann auf einmal du, mein Rabenkind, einfach so, aus dem Blauen: „Weißt du eigentlich, wie sehr ich unsere Wohnung mag? Genau so, wie sie ist – mit unseren Teppichen und Sachen und den Spuren unseres Lebens? Ich würde sonst nirgendwo leben wollen…“

Okay… Das musste mir wohl mal wieder einmal einer sagen. Dass es eben NICHT die cremefarbenen Ledersofas sind, die unserem Leben seine Qualität geben, sondern eher ganz andere Sachen. Ich freue mich, dass du das auch so siehst…

Und manchmal schepperts…

…gestern, in diesem Theater: Immerimmerwieder lasse ich mir blöderweise in die erzieherischen Karten gucken, und irgendwie finde ich das auch okay so. Grinsend beobachten wir beide auf dem Balkon eine erzieherische Maßnahme, die eigentlich keine ist, aber irgendwie doch funktioniert. Die deinen borstigen Bruder dazu bringen soll, im Hotel Mama die Übernachtung zu bezahlen. Grantig bin ich nicht – aber es soll halt einigermaßen funktionieren mit uns dreien hier, das ist alles… Und wir beiden bösen Weibsen lachen, weil ich eigentlich gar nicht sauer bin, aber ihm halt doch mal die Hammelbeine langziehen musste.

Es ist schon blöd, wenn man so gar keine Lust auf autoritäre Dominanz hat, so wie ich. Meistens liegt mir nur daran, dass die Sachen halt laufen, und dass ich nicht so ganz und gar die einzige bin, die den Karren ziehen muss. Gerade jetzt, wenn ich gerade so viel anderes an der Mütze habe. Verstehst?

Also, mein Rabenkind: Mach doch was du willst. Ich sehe, dass du klug bist, und stark, und fröhlich. Und manchmal sogar fleißig, eine Menge gute Sachen machst. Warum soll ich da an dir rumerziehen. Iss so viele Kaktuseis wie du willst, sieh dir halbe Nächte irgendwelche durchgeknallten Serien an, und trink meinetwegen auch mal ein Glas Bier, oder zwei (aber lass mir immer zwei Flaschen im Kühlschrank stehen, die sind von MIR, wenn ich gerade Lust darauf habe!!!). Warum sollte ich an dir rumschrauben?
Aber gerade weil ich keinen Bock auf unnütze Erziehungsmaßnahmen habe: Deshalb könnt ihr großen Rabenkinder doch trotzdem mal die Küche aufräumen, die Wäsche machen, oder mir insgesamt mal den Rücken freihalten, wenn ich selber zu viel Stress habe. Letztlich tut ihr das ja auch schon…

Das wird immer mehr so, hoffe ich. Eine Entwicklung ist da noch drin, aber die Richtung steht. Ihr DÜRFT eure Leben leben, neben meinen, und eigentlich seid ihr schon ziemlich selbständig und macht vieles richtig, und der Rest kommt von selber. Und zur Selbständigkeit gehört eben auch, dass ihr echte Verantwortung übernehmt auch für die gemeinsamen Teile unseres Lebens. WIe ich es eben von euch einfordere, hiermit.

Dies ist ein Geschenk, weißt du das? Ich bin niemand, der irgendeine Form von Bestätigung findet in der Ausübung von Macht über andere. Es strengt mich bloß an, lenkt mich von den Sachen ab, die ich eigentlich tun will oder muss. Diese Kraft hab ich zur Zeit nicht übrig, und außerdem finde ich es eh doof, Leute herumzubossen. Und wenn ich dann doch mal in der Küche stehe und eine Runde plärre, weißt du, dass ich es echt meine (und he, dann klappt es auch auf einmal, Sapperlot!) Gut, oder? Also, MARSCH JETZT! BISSCHEN DALLI! Haushalt!!! Und danach machen wir wieder was Nettes, du und ich – okay???

Words of wisdom: If you can’t make it, FAKE it.

…und manchmal nervst du auch, weißt du das eigentlich? Da machst du Sachen, machst sie gut, und redest sie dann runter, schon gar im Vorneherein. Brrrrr! Das macht mich kirre. Jetzt bildest du dir also ein, dass dein Schuljahr immer zäh anfangen muss, um sich danach stetig zu verbessern. ECHT? Muss das sein?

Auch wenn ich dir ehrlich keine Vorschriften machen muss, was Schule angeht und so (ich glaube du bist da strebsamer und zielstrebiger als ich in deinem Alter, und irgendwie hab ich es auch geschafft…), finde ich es blöd, dass du dir auf diese Weise Vorschriften machst, wie dein Leben in dieser Hinsicht laufen muss. WASNDASFÜREINVORAUSEILENDERPESSIMISMUS???

Also, mein Spruch des Tages für dich: If you can’t make it, fake it.

Nehmen wir doch alle mal der Einfachkeit halber an, dass du eine bombastische Schülerin bist. Immer. Also nicht nur in der zweiten Schuljahreshälfte, sondern auch in der ersten. Und schon gar in diesem, kommenden Schuljahr, das doch irgendwie wichtig wird für dich…

Mein Spruch des Tages gilt für alle Bereiche, in denen du irgendwie nicht ganz das Selbstvertrauen hast. Wo dir vielleicht irgendwo das Momentum fehlt, um krachend wie eine Bombe einzuschlagen, erfolgreich und ohne jeden Zweifel. Denk dich schlau, schön, erfolgreich und sicher (da du ja insgeheim weißt, dass du das alles nicht bist, bist du davor geschützt, ein mieses Arschloch zu werden, worüber wir uns besonders freuen), und dann geh hin und mach, was du gerade tun wolltest, mit Pauken und Trompeten und ganz ohne Vorbehalte. Kannst du das bitte mal ausprobieren, für mich? Zum Beispiel zu Beginn des neuen Schuljahrs, das nur dann schleppend anfängt, wenn du das so willst? Wirst schon sehen!

Und manchmal…

…nimmt dann das Leben überhand. Einfach so, schleicht es sich herbei. Kriecht in alle Ritzen, unbemerkt und ohne einen Laut zu geben. Manchmal hat man den Eindruck, es sehe einen von der Seite her an, beäuge einen kritisch, um zu beurteilen, ob man es schon gemerkt habe. Frechheit!

Es ist, als habe es keinen Bock mehr, beschrieben zu werden. Als wolle es gelebt werden, ohne weitere Worte. Als wolle es nicht, dass man schreibe, über Frankreichreisen, und Spargel mit selbstgerührter Mayonnaise, Rosé, Lammkeule und Tanzkleider und einen Anzug mit Fliege. Als würde es sich leise wegdrücken („du kannst dich auch so daran erinnern, ohne immer gleich einen großen Tamtam draus zu machen!“), und die Menschen, die lange Fahrtstrecke, die gesehenen Bilder (Schnee in den Vogesen, Sonne am Mittelmeer) und die vielen, vielen gesprochenen Worte, der Erinnerung, in unseren Köpfen überlassen. Einfach so.

Nein, mein liebes Leben. So geht das nun wirklich nicht. Du hast mich schon oft genug ausgetrickst!

Noch heute tut es mir leid, dass ich kein knipsendes, schreibendes, haarlockensammelndes Muttertier war, jemals, das diese besonderen Jahre richtig dokumentiert hat, bis heute. Dass ich mich eigentlich nicht mehr an den ersten Zahn der Brut erinnere, den ersten Haarschnitt (obwohl… die Prinzessin ist ja mit einem Wust dunkler Locken auf die Welt gekommen – das muss früh gewesen sein!), das erste Buch (hatten wir nicht immer schon Bücher?), das erste aufgeschlagene Knie. Und DIES gibt mir heute die Willensstärke, dem Leben frech ins Gesicht zu sehen, wenn es mich vom Schreiben abhalten will.

Also: He, du! Glaub bloß nicht, dass es das jetzt war! Wir schreiben weiter, über die Sachen zwischen Rabenmutter und Rabenkind. Wir schreiben über gute Freunde und gute Noten, gute Ideen und schlechte. Über Singen, Lachen, Tanzen und den ganzen Kleinkram zwischendrin. Was uns halt so über den Weg läuft, im Leben. Kapiert?

Tussi. Du. Principessa.

…ich komme zu dir ins Zimmer. Und da sitzt du mit deiner Freundin, und suchst ein Kleid aus. Ein Abendkleid. EIN ABENDKLEID??? Doch, tatsächlich. Du machst einen Tanzkurs. Und netterweise hast du auch noch (wohl auf das Bitten deiner Klassenkameradinnen hin) deinen Bruder rekrutiert, und jetzt übt ihr den langsamen Walzer mit steifen Knien und versteinerten Gesichtern und lacht über die Unfähigkeit des Herrn seine Partnerin zu führen, und die Hand auf der Hüfte, und den Blick in den Ausschnitt und gepflegte Konversation und die schweigende Konzentration beim Schränkeschieben. Ach, wie wunderbar ich euch beide finde, mal wieder, in diesem Moment…

Ich erinnere mich noch genau, wie das bei mir war in diesem Alter. Tanzkurs fand ich doof. Ich war damals schon ein bisschen größer als du, und ganz sicher weniger sicher, nur sicher in meiner Unsicherheit, und Ablehnung von dem ganzen Brimborium. Und so habe ich mich um den Abschlussball gedrückt, und konnte später nur mit großem Theater dazu gezwungen werden (ja, liebe Kinder – damals gab es sowas manchmal noch in der Erziehung…), bei einer förmlichen Hochzeit in der Familie ein langes Kleid zu tragen. Pah, wie ich es hasste! Ich trug braune Jungensandalen, damals, und komische, unförmige grüne Cordhosen, zu ‚besseren‘ Anlässen mal einen blauen Faltenrock und eine weiße Bluse, und war selbst für ein Hippiemädchen viel zu wenig verspielt und seriös. Ich war die Schlaue, Nüchterne; die anderen, die nach mir kamen, waren cooler, lustiger, sportlicher. Wie das halt so ist in einer Familie…

Und da sitzt du also, und gibst voll die Tussi. Blätterst auf dieser Website weiter, springst von einem Traumkleid zum nächsten (Glaubst du wirklich, dass du in einem Disney-Prinzessinenkleid laufen kannst? Dich mit einem Ausschnitt bis zum Hintern wohlfühlen würdest? Dass du nicht irgendwo zwischen hysterischem Kichern und Verzweiflung hängen bleibst, bei einem trägerlosen Kleid, das du vor deinem geistigen Auge bei einer ungeschickten Bewegung schon an deinem Bauchnabel schlabbern siehst?). Und doch, ich würde dir am liebsten jedes einzelne kaufen, in Babyblau und Electric Pink und Melone, diese Mädchenträume, die wir uns unbedingt leisten müssen, oder wenigstens den Genuss des Blätterns und Aussuchens, und Träumens. Ich bin dabei. Welches soll ich nehmen?

Und jetzt schon freue ich mich auf die Vorbereitung zum Tanzkurs dann. Auf das Frisieren und Schminken und die drückenden Schuhe. Und darauf, wie lässig dein Bruder mit gebügeltem Hemd und Krawatte aussehen wird. Auf elegant lackierte Fingernägel statt der angeknabberten Stumpen und ein diskretes Makeup, euer Kichern und die Spannung, und das Klischee, weil man eben nur einmal sechzehn ist und dann noch nicht weiß, dass es ein Klischee ist, mit sechzehn auf einen Abschlussball zu gehen. Du wirst schon noch sehen, aber jetzt eben noch nicht!

Ich kenne Frauen, die haben nur Söhne. Und lieben ihre Jungs, ganz klar. Ich sage: Jungs oder Mädchen ist total egal. Jedenfalls, so lange man mindestens EIN Mädchen hat. Eine Tochter. Zum Kleider aussuchen und Haare machen und Tussi spielen. Irgendwann wünsch ich dir das auch, Principessa…

Kino, mal wieder. Rabenmutter, Rabenkind…

Mes chers parents je pars
Je vous aime mais je pars
Vous n’aurez plus d’enfants, ce soir
Je m’enfuis pas je vole
Comprenez bien je vole
Sans fumée sans alcool je vole, je vole

C’est jeudi, il est 5h05,
j’ai bouclé une petite valise
et je traverse doucement l’appartement endormi
j’ouvre la porte d’entrée en retenant mon souffle
et je marche sur la pointe de pieds
comme les soirs où je rentrais apres minuit
pour ne pas qu’ils se réveillent
Hier soir à table
j’ai bien cru que ma mere se doutait de quelques chose
Elle m’a demandé si j’etais malade,
pourquoi j’etais si pâle
j’ai dit que j’etais très bien
Tout à fait clair je pense qu’elle a fait semblant de me croire
et mon père a sourit.

En passant a coté de la voiture
j’ai ressenti comme un drôle de coup
je pensais que ce serait plus dure et plus grisant
un peu comme une aventure mais moins déchirant
Oh, surtout ne pas se retourner, s’éloigner un peu plus
Il y a la gare,
et après la gare il y a l’Atlantique,
et après l’Atlantique…

C’est bizarre cette espece de cage qui me bloque la poitrine
ça m’empeche presque de respirer
je me demande si tout à l’heure
mes parents se douterons que je suis en train de pleurer
Oh surtout ne pas se retourner, ni les yeux ni la tete,
ne pas regarder derrière
seulement voir ce que je me suis promis
et pourquoi et où et comment…
Il est 7h moins 5 je me suis rendormi dans ce train
qui s’éloigne un peu plus
oh surtout ne plus se retourner… jamais!

Mes chers parents je pars
je vous aime mais je pars
vous n’aurez plus d’enfants ce soir
je m’enfuis pas je vole
comprenez bien je vole
sans fumée sans alcool, je vole, je vole

Human beings are like that…

Heute mal wieder was auf die Augen. Und Ohren:

I’m sorry, but I don’t want to be an emperor. That’s not my business. I don’t want to rule or conquer anyone. I should like to help everyone – if possible – Jew, Gentile – black man – white. We all want to help one another. Human beings are like that. We want to live by each other’s happiness – not by each other’s misery. We don’t want to hate and despise one another. In this world there is room for everyone. And the good earth is rich and can provide for everyone. The way of life can be free and beautiful, but we have lost the way.

Greed has poisoned men’s souls, has barricaded the world with hate, has goose-stepped us into misery and bloodshed. We have developed speed, but we have shut ourselves in. Machinery that gives abundance has left us in want. Our knowledge has made us cynical. Our cleverness, hard and unkind. We think too much and feel too little. More than machinery we need humanity. More than cleverness we need kindness and gentleness. Without these qualities, life will be violent and all will be lost….

The aeroplane and the radio have brought us closer together. The very nature of these inventions cries out for the goodness in men – cries out for universal brotherhood – for the unity of us all. Even now my voice is reaching millions throughout the world – millions of despairing men, women, and little children – victims of a system that makes men torture and imprison innocent people.

To those who can hear me, I say – do not despair. The misery that is now upon us is but the passing of greed – the bitterness of men who fear the way of human progress. The hate of men will pass, and dictators die, and the power they took from the people will return to the people. And so long as men die, liberty will never perish. …..

Über die Heimat…

Du willst weg, ich weiß. Lieber früher als später. Und dann heulst du ein bisschen rum, weil deine Mami nicht dabei sein wird, aber es zieht dich in die Ferne. Total. Ich kenne das. War bei mir nicht anders, und ich kann dir was flüstern, Kleine: Das wird nicht besser. Immer, wenn Menschen wie wir die Witterung aufnehmen, dann zieht es uns weg. Gewöhn dich dran.

Andererseits: Du bist woanders geboren, erst zur Grundschule hierher gekommen. In diesen kleinen Ort mit ländlichen Strukturen, wo der Bademeister im Schwimmbad noch weiß wo er anrufen muss, wenn du dir ein Knie aufgeschlagen hast. Wo dich die Bäckersfrau beim Namen kennt (das war nämlich bei mir schon ganz genau so, als ich in deinem Alter war), und wo du immer ganz genau verfolgst, was die Bieber wieder hinten an deinem geheimen Weg am Wehr angerichtet haben.

*Von wem bischn du* heißt das hier bei uns, und eigentlich ist es richtig gut, dass man die Antwort auf diese Frage kennt. Dass du weißt, von wem du bisch, und von wo.

Ich war achtzehn, und bin abgedüst. Zack, weg, kein Blick zurück auf dieses Kaff und seine Beschränkungen. Und irgendwann, mit Babies im Auto und einem Kofferraum voller Windeln und Klamotten wieder zurückgekommen. Erst in den Ferien, wie es deine kleine Tante heute tut mit ihren Kleinen. Immerimmer in das große Haus, mit den vielen Leuten, Familie, lebhaft, warm, einschränkend, laut, vertraut. In das Kaff. Nach Hause eben. Und irgendwann sind wir geblieben, weil ihr das so wolltet. Und da sind wir heute. In dem Ort, der dir so klein erscheint. Und der immer kleiner wird, je größer du selbst wirst.

Aber jetzt wieder zu dir, mein Zigeunermädchen. Zu dir und deiner Lust auf die Welt. Sie wartet auf dich, die Welt, weißt du? Sie wartet auf dich, und du wirst rausgehen. Reisen, sehen, vielleicht schreiben, fotografieren. Menschen und Dinge erleben. Lernen. Leben! Was ihn aber eigentlich erst richtig möglich macht für dich, deinen Weg in die Welt, ist dieser kleine Ort hier, dieses Kaff. Dein Zuhause.

Egal wo du hingehst, du wirst wissen wo du herkommst, in der Zukunft. Und du wirst keinen Zweifel daran haben, wohin du wieder zurückkommen kannst, wenn du einmal müde bist und die Schuhe drücken, wenn du deinen Koffer leeren möchtest, duschen, und in einem vertrauten Bett schlafen. Wo ein Topf Hühnersuppe auf dem Herd steht. Und deine Sachen auf dich warten. Deine Menschen… Für mich war das immer eine Bedingung für das Reisen – einen Ort zu haben, zu dem man zurückkommen kann. Menschen zu haben, die da sind wenn man sie braucht. Die einen gehen lassen, wenn man das möchte. Einen Ort, an dem man seinen Koffer packen kann. Ein Zuhause. Eine Heimat.